Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Noorder Dierenpark Emmen

16. September 1999, mit Gast Mark Cains vom Moonlit Sanctuary

Wir waren nicht nur seit drei Jahren nicht mehr in Emmen, sondern wollten unserem australischen Gast auch einen der (unserer Meinung nach) sehenswertesten Zoos zeigen: zwei gute Gründe für diese sehr kurzfristig angesetzte Exkursion, die daher auch ohne Anmeldung und folglich ohne Führung und Zusatz-Infos blieb.

Rattenröhre

In der neuen Wanderratten-Kanalanlage

Emmen Zoo - Noorder Dierenpark, der Zoo in der Fußgängerzone, der Zoo mit optimierter Flächennutzung, der Zoo voller didaktischer Gerätschaften, mit Natur- und Kultur-Museen und Modellen, der Zoo mit geographischer Einteilung: Es würde zu weit führen, ihn hier nochmals ausführlich zu beschreiben. Stattdessen ein paar Eindrücke neuer Anlagen. Viele Neubauten gab es nicht, im Vergleich zu den großen Gebäuden der Vorjahre (Asien-, Amerikahaus), denn der nächste große Wurf wird ein Erweiterungs-Zoo mit dem Schwerpunkt Wasser und Meer sein. Dennoch herrscht im Zoo kein Stillstand, gerade nicht in den Museen.

Vor einigen Jahren wurde zu meinem großen Bedauern die `Ratten-Riol´ im Zuchtzentrum geschlossen, eine Kanalröhre mit Wanderratten. Nun ist sie im ehemaligen Aquarium unter dem Bauernhof wiedererstanden: Ungleich größer, läuft der Besucher durch einen Straßenkanal, über ihm dringt aus Gullies Straßenlärm, links und rechts sieht man durch mannshohe Scheiben in große, recht eintönige Kanäle mit Ratten, aber auch in einen Keller mit Mäusen.

Savanne

Die berühmte Afrika-Savanne mit u.a. Breitmaulnashörnern, Giraffen, Gnus, Zebras, Impalas und anderen Gazellen, Perlhühner und Kranichen

Den Außenbereich haben wir diesmal nur recht flüchtig besucht, Schwerpunkte waren natürlich die Savanne, die fünf jungen Elefanten (von 1998 und 1999) und die sehr aktiven Guerezas.

Colobus

Schwarzweißer Guereza beim Spiel des Tagen: Strauch plattspringen

Kolibri

Kolibri in der Schmetterlingshalle

Im Biochron finden sich viele neue Ausstellungsbereiche bzw. Umbauten. Doch zuerst wird es ärgerlich: Beindruckend anzusehen, aber im Becken zu beengt wirkend sind drei riesige Suppenschildkröten. Die kleinen Terrarien, ob nun für Insekten oder Amphibien, ja selbst die Aquariumsabteilung im Untergeschoß, ist zunehmend enttäuschend: Die Beschilderung fehlt oder (noch schlimmer) ist falsch, lateinische Namen fehlen ganz. Die Becken sind lieblos gestaltet, veralgt und zeigen selten die Arten, für die sie im didaktischen Konzept vorgesehen waren. Das düstere, ansonsten völlig kahle Haibecken bietet gerade mal drei Zitronenhaie. Und alle Löffelstöre zeigen starke Schnauzen-Verletzungen, da sie in einem normalen Rechtecktank leben und ständig anecken. In der neuen Vogel- und Federausstellung wird man von einer Plexi-Säule mit wirbelnden Federn empfangen; ein Karussell zeigt die Vielfalt der Vögel; an den Wänden Fossilien, Modelle und vieles mehr, doch die Interpretation bleibt auf der Strecke: Sehr hübsch und ornamental, tolle Ideen, aber fast keine Wissensvermittlung; der Besucher wird mit den Exponaten oft allein gelassen. Um so interessanter ist die Schmetterlingshalle, die nun viel mehr Arten beherbergt und auch verschiedene Kolibris zeigt. Der nächste Trakt ist der Entwicklung der Säugetiere gewidmet, mit eindrucksvollen Skeletten, lebensgroßen Modellen tertiärer Großsäuger und Dioramen. Am Ausgang wurde noch eine kleine Haustier-Abteilung eingerichtet.

Urtier

Im AmeriCasa erstaunen so einige Widerspüche: Da gibt es die wirklich schön gestaltete Nachttierabteilung, in der Faultiere und Nachtaffen herumklettern - doch der Besucher findet keine Angaben dazu. Gleich daneben eine Fledermausgrotte ohne lebende Tiere, während zwei Etagen höher eine winzige, langweilige Vampir-Vitrine untergebracht ist: Fünf Tiere hängen nebeneinander an der Rauhputzdecke, ohne erkennbar einen Flugraum zur Verfügung zu haben. So hatte ich mir meine ersten “echten” Vampire nicht präsentiert gewünscht! Die Blattschneider-Ameisen dürfen nicht mehr auf ihre Insel und in den Plexiglas-Handlauf, sondern wurden in zwei Terrarienfenster verbannt. Schade, daß die Insel-Absperrung nicht funktioniert hat! Dafür hat sich die Vegetation in der Tropenhalle gut entwickelt und vermittelt den gewünschten Urwald-Eindruck. Die außen angebaute Grizzly-Anlage sieht mit ihren Felsen, Pflanzen und Wasserfällen nun wirklich überzeugend nach “Rockys” aus und täuscht darüber hinweg, daß ein paar hundert Quadratmeter steilen Geländes für eine der größten Bärenarten doch etwas beengt sein mögen.

Bärenanlage

Grizzly-Anlage

Im Untergeschoß des Natur-Museums wurde eine Patagonienausstellung eingerichtet, mit großen Fototafeln, auf dem Boden ist die Reiseroute aufgemalt. Das Highlight aber findet sich im Verbindungstunnel zum Afrikahaus: Sehr großzügig wurde der Trakt für Nacktmulle ausgebaut, mit großen Info-Tafeln, einem Kinder-Klettertunnel mit TV-Übertragung und Modellen. Gefesselt werden alle Besucher aber von der Nacktmull-Anlage, als aufgegrabenes Savannenstück gebaut, in dem sich auf vielen Metern (so um die 25!) ein dreidimensionales Gewirr aus Plexiglas-Röhren, Bauten und Gängen erstreckt. Darin ist ein ständiges Scharren, Schleppen, Graben, Umräumen und Herumwuseln: Über 30 dieser skurilen “Säbelzahnwürstchen” führen ihr eusoziales Staats-Leben vor.

Mullgehege
Vampir

Vampir-Fledermaus

Mulllbau
Nacktmulle

Nacktmull-Anlage:

Gangsystem der Nacktmulle, in der Mitte Hofstaat der Königin (oben)

Gesamtansicht der Anlage (links oben)

Nacktmulle begegnen sich in der Röhre (links)

Vielleicht war es schon dem bisherigen Bericht zu entnehmen: Wir waren etwas irritiert, in einem unserer Lieblingszoos zwar nach wie vor innovative Ideen zu finden, doch auch vernachlässigte Bereiche, gut gemeint aber schlecht umgesetzte Didaktik-Konzepte und sogar unbefriedigende Gestaltung von Gehegen. Natürlich kommt man gerade nach Emmen mit sehr hoher Erwartungshaltung, und der Zoo ist selbstverständlich noch immer einer der empfehlenswertesten unserer Region. Doch da es gerade die neueren Bereiche waren, die für uns so unbefriedigend ausfielen, haben sie diesen Bericht negativer gefärbt als es vielleicht fair wäre. Die fantastische Nacktmull-Anlage zeigt, daß es auch anders geht!

Flußpferdanlage

Flußpferd-Anlage, gesehen von der Aussichtsplattform

© 1999 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 5.12.1999 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule