Zoo-AG

Exkursions-Bericht

Abenteuerzoo Metelen
30. August 2008

Hintergrund: Der Abenteuerzoo wurde erst 2007 auf dem Gelände des 1 1/2 Jahre zuvor Pleite gegangenen Vogelparks durch einen niederländischen Investor eröffnet. Beim Aufbau des Parks in nur wenigen Monaten kam es damals zu einigen Problemen, darunter Verzögerungen beim Bau von Gehegen und Infrastruktur, aber auch bei der Einschätzung der Erwartungshaltung der deutschen Besucher und der Pressearbeit. Als der Park im März eröffnete, mit nur einem Teil der Tiere, Baustellen, einer Pommesbude, aber vollem Eintrittspreis samt Parkgebühr, hagelte es Proteste, auch an die Adresse unserer Zoodatenbank, negative Presse (wir berichteten in der Zoopresseschau) und letzlich auch einen Bericht eines Besuchers, der auf unseren Webseiten veröffentlicht wurde.
Nur: Niemand aus der Zoo-AG war seitdem im Abenteuerzoo gewesen, so daß wir die Lage nicht aus eigener Anschauung beurteilen konnten. Wir bemühten uns daher um eine Exkursion samt Führung, zu der wir dann 2008 eingeladen wurden und die Ende August 2008 bei schönstem Sommerwetter stattfand.




Der Eingang: Die Burg besteht aus echten (vorgehängten) Marmorsteinen, wirkt aber dennoch irgendwie künstlich.


Sofern die alten Volierenreihen aus Vogelpark-Zeiten nicht ganz verschwunden sind, wurden die Käfige zumindest zusammengefaßt, meist aber wie hier ersetzt, deutlich vergrößert und naturnah eingerichtet.


Das Affenhaus auf der betretbaren Lemureninsel.


Große Tafeln informieren über die Bedrohung der Natur Madagaskars und werben für die “Artenschutzprojekte der Zoos”. Trotz mehrfacher Rückfrage konnen wir leider nicht in Erfahrung bringen, ob und welches Projekt der Abenteuerzoo unterstützt.


Die als zweite Affeninsel geplante Anlage wird nun von Nasenbären bewoht - sicherlich das großzügigste und natürlichste Gehege für diese Tiere in Deutschland.


Das Wolfsgehege mit diversen Unterschlupfen und Aussichtsstellen für die Tiere. Die Besucher hingegen müssen mit dem Blick durch den Zaun vorlieb nehmen.


Aus dem einstigen Ziergeflügel-Volierenrondell wurde durch Zusammenlegen und Bepflanzung eine vielgestaltige Waschbär-Anlage.


Unter den Waschbären befindet sich auch dieses Exemplar mit interessanter Pigmentstörung.


Gegenüber des Cafés im römischen Stil wartet eine lebensgroße Blechsoldaten-Armee auf verwunderte Besucher.


Die alten Eulenkäfige wurden mit großzügigen Netzvolieren erweitert.


Auch die alten Papageienvolieren wurden durch neue große Anlagen ersetzt. Hier die betretbare Voliere für Amazonen.


Der weiträumige Streichelzoo - die Kirche steht Kindern, Schafen und Ziegen gleichermaßen offen.


Die Maya-Spielpyramide am Restaurant.


Von der Restaurantterrasse hat man einen Blick auf den Strand komplett mit Spiel-Schiff und künstlichen Palmen. Dies ist auch die Event-Fläche für zahlreiche Shows.

An der Kasse wurden wir von der Leiterin des Abenteuerzoos, Andrea Gehling, freundlich begrüßt, die sich sogleich mit einer Tierpflegerin zusammen auf den Weg machte, uns den gesamten Park zu zeigen, und sich dafür mehrere Stunden Zeit nahm. Der Rundgang in netter Atmosphäre wurde immer wieder von Fachsimpeleien unterbrochen.
Schnell zeigte sich, daß die Gerüchte über eine schlechte Tierhaltung, gar noch in den alten Vogelpark-Anlagen, nicht bestätigt werden konnten, und alle versprochenen Tiere und Gehege waren zu sehen. Deutlich wurde aber auch, warum anfangs viele Besucher irritiert waren: Unter einem
"Zoo" stellt sich der Deutsche offenbar doch einen großen Tierbestand vor und bezieht die Bezeichnung "Abenteuer" auf Erlebniszoo-Elemente, wie er sie aus Hannover oder Gelsenkirchen kennt. Gemeint sind aber die großen Spielbereiche für Kinder, die mit den Tiergehegen kaum in Beziehung stehen: Wer ohne Kinder oder mit einer reinen Zoo-Erwartung kommt, mag enttäuscht sein. Dies ist aber eher ein Problem der Kommunikation.
Zufällig fand an diesem Tag auch ein Mittelaltermarkt im Zoo statt mit zahlreichen Buden und kleinen Vorführungen, und dazu sowie zu den im weiteren Tagesverlauf stattfindenden kommentierten Fütterungen wurden wir ebenfalls noch eingeladen.

Statt eines einzigen langen Besuchsberichts hatten wir alle zwölf Teilnehmer der Exkursion gebeten, jeder möge ein kurzes Statement abgeben. Leider kamen dann doch nur drei zusammen:

Der Abenteuerzoo Metelen bietet großzügige Anlagen in einer schönen Park- / Waldlandschaft. Der Tierbestand ist eher gering, aber die Gehege sind meist ansprechend gestaltet und die präsentierten Tiere laden zu intensiven Beobachtungen und Begegnungen ein.
Zwischen den Tieranlagen liegen zahlreiche kleine Spielplätze. Die tollen Spielgeräte machen nicht nur Kindern Lust herumzutoben.
Die Gebäude im Stil zwischen Antike, Mittelalter und Exotik sind Geschmackssache – ich finde sie eher kitschig – aber gehören halt zum Konzept des Zoos, der sich von den vielen anderen Zoos im Umkreis abzuheben versucht.
Fazit: Wer einen herkömmlichen Zoo mit großem Tierbestand erwartet, wird enttäuscht. Als Ausflugziel in schöner Landschaft, in dem Kinder sich austoben können und zugleich Faszination für Tiere vermittelt bekommen, ist der Abenteuerzoo Metelen auf jeden Fall empfehlenswert.
Birgit

Zunächst erschlägt die bombastische Kulisse einer mittelalterlichen Burg - oder vielleicht einer Festung aus der Kolonialzeit, das Gebäude ist nicht so genau einzuordnen – die Besucherinnen und Besucher schon beim Anmarsch. Bereits die Eingangshalle weist mit ihren vielfältigen Spielangeboten auf die - auf der Website bestätigt -  bevorzugten Gäste hin: Im gesamten Zoo kommen Kinder mit vielfältigen Spielgeräten, überall zwischen den Gehegen aufgebaut, voll auf ihre Kosten und müssen nicht ihre Eltern zu einem einzigen zentralen Spielplatz zerren. Geschmacksache sind freilich die vielen lebensgroßen Tierfiguren, die allerdings nicht bestiegen werden dürfen. Neben der natürlichen Vegetation verleihen etliche künstliche Bäume dem Gelände ein streckenweise exotisches Flair.
Indes kommen auch die Zootiere - auf eine vernünftige Artenzahl begrenzt - nicht zu kurz, auch wenn einige Gehege noch im Bau bzw. in der Planung befinden. Besonders attraktiv sind die begehbaren Anlagen für die Halbaffen (zahlreiche Kattas und Varis) auf der Insel. Auch das großzügige Gehege für die südamerikanischen Nasenbären – wenngleich noch nicht ganz fertig gestellt – kann überzeugen. Einige verbliebene Vogelkäfige, übernommen aus dem ehemaligen Vogelpark Metelen, sind nun erheblich erweitert und verbessert. 
Zahlreiche Sonderveranstaltungen zu verschiedenen Ländern und Zeitaltern mit verspieltem Jahrmarktcharakter locken sicher vorwiegend Familien mit Nachwuchs, die dann auch voll auf ihre (nicht gerade geringen) Kosten kommt. Die Einbettung des Zoos in die schöne Heidelandschaft gefällt sicher Jung und Alt. Überall ist die Handschrift des Geschäftsführers P. J. van den Brand (NL) zu erkennen: Die Ausschilderung ist stets in Deutsch und Holländisch ausgeführt, zumal wohl auch viele Besucher aus dem Nachbarland erwartet werden, und der Spielzeugproduzent zeichnet auch für das reichhaltige Angebot von Souvenirs an den zahlreichen Kiosken verantwortlich. Selbstverständlich ist auch für das leibliche Wohl in angenehmer Atmosphäre gesorgt. Insgesamt ein interessante Unternehmung für Menschen mit Fantasie, verbunden mit der Lust auf Tiere!
Gisbert

Am Eingang wirkt der Abenteuerzoo Metelen mit seinen steinernen Löwen und der Fassade einer Trutzburg zunächst etwas kitschig und zumindest für ausschließlich Zoointeressierte wenig einladend. Hat man die Eingangshalle aber erstmal durchquert und das Außengelände des Zoos betreten, ist man positiv überrascht: Die Gehege sind weitläufig und fügen sich harmonisch in die Landschaft des den Zoo umgebenden Naturschutzgebietes Metelener Heide ein. In vielen Gehegen muss man schon etwas den Blick schweifen lassen, um ihre Bewohner zu entdecken, was aufgrund der guten Rückzugsmöglichkeiten für die Haltungsbedingungen der Tiere spricht.
Ein Highlight im Abenteuerzoo Metelen ist eine begehbare Lemureninsel, die von Kattas und Schwarzweißen Varis bewohnt wird. Die Halbaffen von der Insel Madagaskar kann man hier aus unmittelbarer Nähe beobachten. Über Madagaskarund seine Tierwelt informieren dabei große Infotafeln. Eindrucksvoll ist auch eine große Gruppe Waschbären, die zwar kein Freigehege bewohnt, aber in einem geräumigen, gut strukturiertem Käfig untergebracht ist.
Auch die Haltungsbedingungen weiterer Tierarten, wie zum Beispiel Wölfe, Nasenbären, Guanakos, Bennettkängurus und Muntjaks, sind durchweg gut. Positiv fällt auch ein etwas ungewöhnliches Streichelgehege auf. Ungewöhnlich deshalb, weil es sich allein durch seine Größe wohltuend von den meisten Einrichtungen seiner Art abhebt. Hier besteht keine Gefahr, dass sich Kinder und Ziegen gegenseitig auf die Füße treten und das gewünschte Kontakterlebnis für beide Seiten, wohl aber vor allem für die Tiere, zur Tortur wird. Die Ziegen, die das Streichelgehege bewohnen, haben aufgrund seiner Weitläufigkeit jederzeit die Möglichkeit, sich vor allzu aufdringlichen Zweibeinern zurückzuziehen.
Der Abenteuerzoo Metelen hat aber auch noch mit einigen Altlasten zu kämpfen: Verschiedene Vogelvolieren sind ein Erbe des Vogelparks Metelen,der sich zuvor auf dem Gelände befand, und optisch sicherlich alles andere als optimal. Zusammenfassend kann allerdings gesagt werden, dass der Zoo, was die Präsentation und Haltung der Tiere angeht, auf einem guten Weg ist.
Zum Konzept des Abenteuerzoos gehört die Verknüpfung der Haltung von Tieren mit verschiedenen Themenwelten, wie zum Beispiel einer Maya-Pyramide, einem Piratenschiff und einem Goldgräberdorf. Manchmal erscheint diese Verknüpfungziemlich unvermittelt, so dass die Themenpräsentation etwas zusammengewürfelt wirkt. Auch bei den im Zoo verteilten Tierfiguren kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Diese Figuren, die geradezu zum Spielen einladen, dürfen von Kindern nicht erklettert werden. Die Tatsache, dass sich an manchen Stellen in umittelbarer Nähe zu ihnen Klettergerüsteund andere Spielgeräte befinden, dürfte viele Eltern in arge Argumentationsschwierigkeiten bringen. Positiv ist wiederum zu bewerten, dass man auf einen zentralen Spielplatz verzichtet und kleinere Spieleinheiten im Zoo verteilt hat.
Andreas


Die Zebras neben dem Klettergerüst sind aber auch zu verlockend, und das nicht nur für Kinder!

Herzlichen Dank an Frau Gehling und alle Mitarbeiter des Abenteuerzoos!

Noch ein Hinweis für Besucher:
Am Parkplatz stehen zwar noch Schilder
"gebührenpflichtig", aber es wurde an diesem besucherstarken Samstag nicht kassiert, und offenbar wurde die Parkgebühr ganz abgeschafft.



Ein
"merkwürdiger Zufall": links ein Gehegeschild aus Metelen von 2008, rechts eines, das im Rahmen der Zoo-AG-Unterstützung 1998 für den Bergzoo Helmarshausen erstellt wurde (und bei uns auch online zu finden ist)...

 



Die meisten von uns fuhren anschließend noch zum Naturzoo Rheine, wo uns Direktor Achim Johann einmal mehr sehr nett willkommen hieß und es sich nicht nehmen ließ, uns auf einem schnellen Rundgang alle Neuheiten und die Lippenbarengehege-Baustelle zu zeigen.

Hinweis: Der Name des Zoos hat weder etwas mit der Dokumentarreihe des MDR
"Abenteuer Zoo" zu tun noch mit dem von uns herausgegebenen Zooführer gleichen Namens, der den Zoo zwar vorstellt, aber dennoch leider nicht im Zooshop verkauft wird.

Externer Besucher-Bericht von 2007

Abenteuerzoo Metelen auf Zoo-Infos.de

Website des Parks: www.abenteuerzoometelen.de

Die Darstellungen und Meinungen im Bericht auf dieser Seite geben nicht zwingend die aller Mitglieder der Zoo-AG Bielefeld wieder.

Erstellt 11.2008 / Fotos: D. Petzold - zur  Zoo-AG Homepage logoeule