Exkursion Zoo Osnabrück

31. März 1999, 40. Exkursion

Einladung zur Arbeitsgruppe Enrichment (Volontärassistentin Ute Magiera) und
Zooführung durch Marc Vissering

Bei schönstem Frühlingswetter führe uns eine erneute Exkursion nach Osnabrück mit Gästen von den Unis Frankfurt bzw. Münster Zwischen dem Zoo und der Universität Osnabrück entwickelt sich eine intensive Zusammenarbeit, die insbesondere Untersuchungen zur Verhaltensanreicherung zum Ziel hat. Versüßt wurde unser Besuch durch echte Coppenrath-Torten (vom echten Coppenrath persönlich). Darüber hinaus entspann sich eine angeregte Diskussion über Zweck und Zukunft unserer Zoo-AG sowie künftige Zusammenarbeit. Danach referierte Marc Vissering über seine Arbeit an den Fischottern.


Vor und nach dem Arbeitsgruppentreffen hatten wir die Gelegenheit, den Zoo unter die Lupe zu nehmen. Ich hatte es schmählich versäumt, unserem Nachbarzoo in den letzten drei Jahren einen Besuch abzustatten. Andere Mitglieder der Zoo-AG waren zwischenzeitlich dort und berichteten in der AG. Obwohl ich also über die Neuerungen informiert war, hat mich deren Umfang doch (positiv!) überrascht.

Baulich hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren. Das beginnt bei "Kleinigkeiten" wie der sehr schönen Waran-Anlage im Aquarium, geht über Stachelschweine, die neuen Papageienvolieren (Keas) und die noch im Bau befindliche Ibisanlage (Drahtseilkonstruktion auf Holzpfosten) bis zur Umgestaltung der Cameliden-Gehege: Vergrößert, zusammengefaßt und mit einer Steinschüttung und einem einzelnen Elektrodraht abgesperrt. Vor der erweiterten Wolfsanlage gegenüber gibt es nun eine Pergola mit Sichtscheiben ins Gehege.

Für das neue Elefantenhaus wurde eine baulich überzeugende Lösung gefunden: Um den "Waldzoo" nicht mit einem Kollossalbau zu verschandeln, liegt es zu einem guten Teil unter der Erde. Der herausragende Teil ist mit Brettern verkleidet und wirkt zurückhaltend, wenn nicht unscheinbar - im Kontrast zu wuchtigen, "repräsentativen" Bauten anderer Zoos. Überraschend, welchen Raum der Bau im Inneren umschließt: 650 qm für Lauffläche und Boxen - das ist mehr als bisherige Innen- und Außenanlage zusammen. Da kann man  alle Bedenken vergessen, wenn die Außenlage noch nicht fertig ist und die drei Tiere vorerst im Haus bleiben müssen. Mit farbigem Rauhputz und Würgfeigenstämmen ausgestattet, wirkt die Innenanlage recht freundlich. Der vergleichsweise kleine Besucherraum ist mit Sichtscheiben ausgestattet, durch die man hinunter in einen Teil der Boxen und die Tiere auf der Innenanlage sehen kann.  Wanddurchbrüche gestatten auch Kontaktaufnahme mit anderen Sinnenorganen:
Riech-mal und Hör-mal-Löcher. Seitlich steht auch ein verglaster Kasten, in den die Elefanten den Rüssel strecken und z.B. Erdnüsse angeln können - tolles Hilfsmittel z.B. bei Schulklassen-Führungen, aber auch als Enrichment für die Tiere.

Elefanten Innen
Riechrüssel

Die Außenanlage wird 1600 qm umfassen, großteils mit einer Sandsteinblock-Mauer umgeben, was auch hier den Platz für den ohnehin gefährlichen Graben einspart. Zum Besucher hin werden wohl Stahl-Schaukelseite die Absperrung bilden. Obwohl die Osnabrücker Elefanten Steine werfen (und auch schon einmal ein Kind getroffen haben), befindet sich sehr grober Kiessand im Gehege. In Berlin mußte der gesamte Sand nachträglich ausgekoffert und ausgetauscht werden... Hoffentlich wartet man nicht, bis es einen Unfall gibt!

Das Haus hat fünf Innenboxen. Sobald sich die Aufregung um Elefanten-Importe gelegt hat, wird wohl über Zuwachs nachgedacht werden!? Bullenhaltung ist aber nicht vorgesehen - man kehrt wohl zum "Hochzeits-Tourismus" der 80er Jahre zurück.  Es bleibt also trotz Neubau bei der klassischen Form der Elefantenhaltung (reine Weibchengruppe, Haltung in direktem Kontakt zum Tierpfleger, der als Alphatier fungieren muß) - im Widerspruch z.B. zu den Forderungen der European Elephant Group.

Elefantenanlage

Durch den Auszug der Elefanten ist im Menschenaffenhaus Platz geworden für eine neue Innenanlage. Abwechselnd mit Glas und Gitter abgesperrt, wird hier bald ein Gehege mit Wasserfall und großen zentralen Kletterbaum für die Tiere zur Verfügung stehen. Hoffentlich können die Tiere dann auch die gesamte Höhe des Raumes nutzen. Die alten Innenkäfige wurden umgestaltet und mit Glas-Erkern in den Besucherraum erweitert. Im Besucherraum herrscht bereits eine Dschungel-Atmosphäre wie im Münsteraner Elefantenhaus: mit herabhängenden, bemalten Plastikplanen, Leuchttafeln, Baumstämmen mit Plastikpflanzen und Rindenmulch auf dem Boden.

Am Aquarium entstand eine Otteranlage, vollständig mit 3 m hohem Glas umgeben. Ein Bachlauf fließt über Wasserfall und vier Becken bis vor das als Fischerhütte getarnte Innenhaus. Das große, nett gestaltete Gehege wird aber leider von den Tieren nur zum Teil genutzt; gerade das oberste Becken mit der Unterwasserscheibe wird nur selten aufgesucht.

Auch das Robbenbecken wurde mit einem Sand-Gras-Bereich ausgestattet, der etwas Eindruck von einem Strand vermittelt. Doch auch hier:es wird von den Tieren nicht genutzt. Leider geht eine dem Besucher ansprechende Gestaltung nicht immer Hand in Hand mit dem, was die Bewohner annehmen. Dennoch hat eine solche Präsentation didaktischen Wert und ist auch dann zu befürworten, wenn die Tiere keinen direkten Vorteil davon haben - wie bei den Immersions-Spielereien z.B. im Südamerikahaus.

Der didaktische Aspekt tritt nun auch sonst im Zoo stärker in den Vordergrund: Neu gestaltete Gehegeschilder ersetzen zunehmend die alten, bei den Eulen z.B. lockt eine drehbare Walze mit Informationen über Nachtgreife, und das neue "Eierhaus" bietet Alles rund um das Thema "Ei" bis zum Schaubrüter und zum Hühnerhof. Sehr einfallsreich sind auch die im Zoo verteilen Auszüge aus alten Tierbüchern (von einer Sonderaktion übriggeblieben); eingeschweißte Blätter im roten Gitterhalter. Leider stehen viele Zoobesucher etwas ratlos davor, da die Texte nicht interpretiert sind, und bei einer "Neuauflage" müßte auch rostfreies Material verwendet werden. Oberhalb der Bären beginnt der Bau einer "älterbronzezeitlichen Doppelpfostenreihe", die den Archäologischen Lehrpfad ergänzt, hinzu kommt noch der Nachbau eines jungsteinzeitlichen Hauses.

Unterhalb soll noch dieses Jahr die Giraffenanlage erbaut werden. Die Tiere werden vorerst in einem transportablen Stall untergebracht (der später im Betriebshof verwendet werden kann), bis das eigentliche Giraffenhaus nach dem Entwurf des Architektenbüros Heuss fertiggestellt ist. Neben Aussichtskanzeln wird auch ein zweites Restaurant mit Blick über die Afrikaanlagen entstehen, im Stil eines afrikanischen Dorfes.

Springspiel
Kletterspiel
Flügelspiel
Eisschollenspiel

Ein besonders gelungenes Beispiel angewandter Didaktik ist der neue Spielplatz . Neben den bereits vielfach bekannten "Wie weit und wie hoch kannst Du springen?" locken eine Steinbock-Kletterwand und ein Spinnennetz zum Klettern, und balancierend auf wackeligen Plastik-Eisschollen kann man sich mit einer Eisbären-Silhouette messen. Sehr aufwendig ist eine Doppelreihe sich windender Metallstreben, die die ausgestreckten Arme so leiten, als wäre man ein Vogel im Fluge. Dieser Spielplatz strotzt vor guten Ideen und ist konsequent auf das Thema "Zoo" ausgerichtet. Ganz ohne Riesenplastikmöhren!

Orangführung

Marc Vissering machte uns mit dem alten Orang-Utan-Mann bekannt

Herzlichen Dank an Ute Magiera und Ihre Arbeitsgruppe für Einladung, Bewirtung und die Möglichkeit, unsere Arbeitsgruppe vorzustellen.Vielen Dank ebenfalls an Marc Vissering, der auch Zoobegleiter ist und sich zwei Stunden Zeit für uns nahm.

Zum Exkursionsbericht 2001

© Fotos & Text: Dirk Petzold


Diese Seite wurde erstellt am 4.4.1999; Fotos hinzugefügt am 9.12.1999
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