Zoo-AG

Anmerkungen

Tierpark Olderdissen, Bielefeld

Zoo-AG-Projekt Marderhund-Gehege

Im Tierpark Olderdissen in Bielefeld wurde ein neues Marderhundgehege gebaut. Die Zoo-AG war an der Planung und Gestaltung beteiligt - Ziel: ein Gehege, das für die Haltung von Marderhunden möglichst gut geeignet ist und die normalerweise nicht sehr publikumswirksamen Tiere nicht einfach nur ausstellt, sondern als Bestandteil eines Ökosystems zeigt. Wir haben in vielen Ortsbesichtigungen, Planungssitzungen und in Gesprächen mit der Tierparkleitung ein ausführliches Konzept erarbeitet, dessen wichtigste Punkte hier vorgestellt werden sollen:

Marderhund

Das Tier (das Wichtigste beim Gehegebau!):

Marderhund (Nyctereutes procyonoides): Aus Asien stammender, dem Waschbär sehr ähnlicher, kurzbeiniger Wildhund von 50 - 60 cm Körperlänge. Lebt allesfressend, meist in Gewässernähe, von Amphibien, Nagetieren, Fischen, Vogeleiern, Beeren und anderen Früchten und vielem mehr. Eher einzelgängerisch und fast völlig nachtaktiv, bewohnt er Höhlen in Baumstämmen und unter Wurzeln, aber klettert schlecht. Wandert seit Mitte des Jahrhunderts aus Osteuropa ein.

Das Baugelände:

  • Bis vor einigen Jahren Wolfsgehege, danach unverändert für Marderhunde genutzt.
  • Nicht ganz 15 x 20 m Ausdehnung, ca 150 qm im alten Gehege.
  • Nord-Süd-Gelände, an der Westseite steile Böschung 2-3 m hoch zum oberen Besucherweg.
  • Im Süden höhere Bäume (schattig), im Norden sonnig.
  • Bodengrund: steiniger Naturboden, z.T. zementierte Steinbrocken im hinteren (westlichen) Teil

Das ehemalige Wolfsgehege vor dem Umbau März 1997: Hoher Zaun, Boden aus Steinplatten, Betonhaus im Hintergrund

Vorgaben des Tierparks:

  • Die Wegeführung muß unverändert bleiben.
  • Es soll ein Freigehege sein, kein Käfig
  • Die Tierpflege muß einfach sein, Gehege und Innenraum leicht zugänglich, die übrigen Gehege müssen wie bisher zu versorgen bleiben.
  • Der Tierpark ist stets öffentlich zugänglich: Schutz vor Vandalismus, Tierquälerei, aber auch Schutz nächtlicher Besucher nötig.
  • Keine ausgefallenen, teuren technischen Konstruktionen, das meiste sollte mit tierpark-eigenen Handwerkern zu bewältigen sein.
  • Die Anlage sollte ein möglichst natürliches Aussehen bekommen.

Ideen von uns:

  • Vom oberen Weg sollte das Gehege nicht direkt einsehbar sein
  • Freisichtstelle, von der ein Großteil des Geheges zu überblicken ist
  • Größerer Teich mit Flachwasser- und Sumpfzone
  • Kleiner Wasserfall, Bachlauf (evtl. durch Schilfzone als Kläranlage)
  • Für den Besucher einsehbarer Bau: höhlenartiger Unterstand für Besucher mit Glasscheibe zu Schlafbox; die Tiere dürfen nicht gestört werden können
  • Heimische Pflanzen, die dem Lebensraum entsprechen
  • Platz für 1 oder 2 große Infotafeln am Hauptweg
Planskizze Marderhundgehege

Unsere Planungsidee:

Erläuterung der Gehegeskizze:

  • A) Bisheriges Wolfsgehege, im unteren Teil flach, hinten steile, z.T. aus Steinen bestehende Böschung. .
  • B) Früheres Wolfshaus (Innenboxen und Pflegergang; viel größer als für Marderhunde nötig), Mauerwerk mit einfachem Holzdach
  • C) Vergitterter Bereich für Tierpflege; zu erreichen über die Treppe vom oberen Weg
  • D) Baummarder-Käfig
  • E) Anschließende Käfige für Dachse, Füchse, Waschbären
  • F) Oberer Besucherweg
  • G) Grünpflanzungen
  • H) Unterer Besucherweg
Bielefeld-Planung-Marderhunde

Außenzaun:

  • 1 m Maschendrahtzaun mit Elektrodraht, Betonfundamente werden wiederverwendet
  • vor dem Teich wird eine Mauer auf das Fundament aufgesetzt
  • an der Innenseite verläuft Elektrodraht.
  • an der Ecke zu den Baummardern wird der Zaun nach hinten versetzt, damit die Besucher nicht direkt an das Gehege treten können.

Bachlauf:

  • 3 oder 4 kleine Wasserfälle (zur Sauerstoff-Anreicherung)
  • seitlich mit Bruchsteinen abgestützt
  • Pumpleistung ca. 50 l / min.
  • 10 m Rohrleitung zur Saugpumpe im ehem. Wolfshaus
Bielefeld Planung Marderhundhaus
Bielefeld Planung Marderhundhöhle

Teich:

  • Einstiegmöglichkeit für die Tiere und Freisichtstelle für die Besucher
  • 2/3 als Flachwasserzone 10 - 30 cm tief mit Seggen-/Binsenpflanzungen
  • ins Wasser ragender Weidenstamm; möglichst frisch, damit er wieder austreibt
  • Ablaßmöglichkeit (z.B. im Winter) um 30 - 40 cm
  • evtl. kleine Fische einsetzen

Bepflanzung:

  • Gräserzonen (Schilf) am Teich
  • niedrige Staudengruppen im vorderen Teil
  • Beerensträucher und heimische Pflanzen, die dem Lebensraum entsprechen
  • Vorpflanzung zwischen Weg und Gehege möglichst stachelig (Berberitze)

Früheres Wolfshaus:

  • mit Bruchsteinmauer verkleidet, darüber Rankpflanzen
  • Eingang zum Marderhund-Bau angeschüttet und mit Bruchsteinmauer gestützt
  • erneuertes Holzdach, begrünt
  • Innenraum für Technik
  • Tierpflegebereich und mehrere Innenboxen
  • Für den Besucher einsehbarer Bau: Höhlenartiger Unterstand mit Glasscheibe mit der Möglichkeit, in die Schlafbox zu schauen

Durchführung:

In mehreren Besprechungen mit der Tierparkleitung wurde uns zugesichert, daß das von uns vorgestellte Konzept verwirklicht werden soll. Allerdings ergaben sich in der praktischen Umsetzung der Pläne einige Probleme. Verwirklicht wurden nach unseren Ideen Wasserlauf und Teich mit Freisichtstelle, ein einsehbares Innenhaus und die Verkleidung des alten Wolfshauses mit Natursteinen. Leider wurde dabei wenig auf naturnahe Gestaltung geachtet. Die Natursteinwand ist streng senkrecht und fugenfrei gemauert, der Teich weitgehend vegetationsfrei (statt unserer Wasserpflanzen- und Schilfzone), die Sträucher entsprechen nicht dem Lebensraum (Beerensträucher), die Terrassierung des Hanges ist geometrisch, das Innenhaus ist mit einer Pergola vorgebaut, wo wir eine Höhle unter einem Baum darstellen wollten. Eine nachträgliche Verkleidungsaktion der Zoo-AG mit Altholz verdeckte zwar das Schlimmste, konnte aber den gewünschten Natur-Effekt leider nicht erzielen und wurde zwischenzeitlich wieder entfernt. Auch die große Informationstafel wurde nur provisorisch aufgestellt, nicht dauerhaft gestaltet und ist mittlerweile wieder verschwunden.

Das Marderhundgehege nach dem Umbau im April 1998 und die Pergola vor dem Einblick in den Bau

Marderhundhaus

Fazit:

Das Gehege wurde noch 1997 fertig, die Marderhunde fühlen sich wohl und hatten Nachwuchs. Das Gehege ist um ein Vielfaches besser als die alte Anlage und wird von den Besuchern gut akzeptiert. Vieles mußte dem Rotstift zum Opfer fallen, aber auch viele kleine Elemente, die kaum Geld, sondern nur Gestaltungswillen erfordert hätten, sind nicht verwirklicht. Der Kunstbau funktioniert nicht; die Tiere sind dort selten zu sehen. Die Tierhaltung ist zufriedenstellend, der gestalterische und didaktische Anspruch leider nicht erfüllt. Allerdings hätte sich ein Gehege nach unserem Konzept auch deutlich vom Charakter des übrigen Tierparks unterschieden.

Trotz dieses ernüchternden Ergebnisses, und obwohl die doch nicht unerhebliche (und unentgeltliche) Arbeit der Zoo-AG im Zusammenhang mit der Marderhundanlage nie erwähnt wurde, haben wir uns bereiterklärt, auch am nächsten Projekt mitzuarbeiten: der Erneuerung der Limicolenvoliere.

Denn: Wir haben bei der Planung vieles gelernt und letztlich beträchtlich dazu beigetragen, die Haltung der Tiere zu verbessern. Insofern war das Projekt doch ein Erfolg.

© Fotos, Zeichnungen & Text: Dirk Petzold (außer Marderhund)

Erstellt 7.97, zuletzt aktualisiert am 8.12.99 - Zoo-AG Homepage logoeule