Zoo-AG

Anmerkungen

Die Zoo-AG Bielefeld unternahm 1998 eine Exkursion in die Zoos Zürich, Basel und Mulhouse. Leider kam es nie zu einem Exkursionsbericht. Im Frühjahr 2002 machte sich Hans-Jürgen Beck auf die gleiche Tour und schickte uns seine Exkursionsberichte, die sich fast völlig mit unseren Eindrücken decken und zudem viele aktuelle Angaben enthalten. Er hat uns freundlicherweise gestattet, die Berichte zu veröffentlichen, illustriert mit unseren eigenen Bildern.


Zoo de Mulhouse, 4.4.2002

Der Parc Zoologique et Botanique im Süden der elsässischen Stadt Mulhouse wurde 1868 als "Zoologischer Garten Mühlhausen" gegründet. Er besticht auf seinen 20 Hektar Fläche durch eine hohe landschaftliche Vielfalt: Waldflächen mit sehr alten Baumbeständen, großflächige Wiesen, große Wasserflächen - durchsetzt mit themenbezogenen Landschaftsgärten, wie z.B. elsässische Pflanzen, Magerrasenvegetation, Irisgarten, Tulpengarten, Rhododendronpflanzungen, Gräsergarten oder einem "Bassin romantique". Etliche Häuser, auch Tierhäuser, sind im traditionellen elsässischem Stil gebaut und geben dem Park einen unverwechselbaren Charakter. Ich besuchte ihn zum ersten Mal.

Es fehlen die eigentlichen "Renner" zoologischer Gärten: Elefanten, Nashörner, Giraffen, Menschenaffen oder Löwen sucht man vergeblich. Das tut dem Ganzen aber wenig Abbruch, wird dieses vermeintliche Manko durch einen ausgesuchten, zum Teil einzigartigen Tierbestand mehr als ausgeglichen.

Sehr schön gestaltete und geräumige Anlagen bestehen nach dem Umbau des alten Katzenhauses für Sibirische Tiger, Persische Leoparden und Schneeleoparden. Nebenan ebenfalls großzügige Anlagen für Luchse und Timberwölfe. An Kleinkatzen werden Manule, Oncillas und Sandkatzen gehalten. Die Drahtkäfige sind durch großflächige Sichtfenster unterbrochen, durch die die genannten Arten wunderbar beobachtet werden können.

Prinz-Alfred-Hirsch (Foto: Gunther Ehlers / ZGAP)Eine Besonderheit stellt die Haltung und Zucht des im Freiland fast ausgestorbenen Prinz-Alfred-Hirsches dar. In Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz wird eine Reserve-Population für eine mögliche Wiederansiedlung auf den Philippinen aufgebaut. Allerdings überzeugt die Gehegegestaltung für diese kleine Hirschart nur wenig. Von den weiteren Huftieren sollen insbesondere die Mendesantilopen, die Grevy-Zebras und die Sitatungas (Sumpfantilope) erwähnt werden, letztere in einer sehr schönen Ablage zusammen mit Hornraben und Kronenkranichen.
(Foto Gunther Ehlers/ZGAP)

Ein Schwerpunkt der Tierhaltung liegt bei den Vögeln. Darunter sind vor allem sechs Kranicharten erwähnenswert. Beide Kronenkranicharten (schwarze und graue Art) sind vorhanden. Im großen Weiher tummeln sich zahlreiche Entenvögel und eine große Gruppe Flamingos. Eine schön gestaltete, frei begehbare Vogelvoliere mit etlichen exotischen Vögeln (darunter verschiedene Arten Turakos, Nashornvögel, Krontauben und viele andere mehr). Nicht zu vergessen natürlich die enormen Erfolge bei der Wiederansiedlung von Störchen. Dieser Vogel bildet gewissermaßen das kennzeichnende Tier des Zoos, ist es doch allgegenwärtig - auf den Horstbäumen, im Vorbeiflug, auf den Wiesen.

Bärenanlagen (1997)Die nahe beieinander liegenden Anlagen für Geparde, Waldhunde und Mähnenwölfe überzeugen wenig. Sie wirken etwas vernachlässigt. Ebenso fällt ein Überbleibsel der Betonarchitektur der 70er Jahre negativ auf: die Anlagen für Eis- und Braunbären. Sie wirken relativ trostlos, die Tiere gelangweilt. Integriert in die Betonburg sind die kleineren Anlagen für Fischotter und Zwergotter, allerdings etwas strukturreicher gestaltet. Originell, aber auch etwas hilflos wirkt die Gemeinschaftshaltung eines Bibers mit einem Waschbär.

Den zweiten Schwerpunkt der Tierhaltung bilden neben den Vögeln die Affen:

Krallenaffen-Anlagen (1997)1. Haus für südamerikanische Affen, mit sehr schön gestalteten, gut einsehbaren Außenanlagen. Hier lebt eine ganze Reihe von zum Großteil im Freiland sehr stark vom Aussterben bedrohte Arten, wie die Gelbbrustkapuziner, die Lisztäffchen, die Weißgesichtsseidenäffchen, Springtamarins, Kaiserschnurrbarttamarins, Zwergseidenäffchen oder Goldkopflöwenäffchen. Totenkopfaffen leben in Gemeinschaftshaltung mit Weißgesichtssakis. Die schwarzen Klammeraffen werden im benachbarten Großen Affenhaus gehalten. Besonders bemerkenswert ist die Haltung weiterer dreier Arten, die ansonsten in kaum einem anderen Zoo gesehen werden können, allen voran der eigenartig aussehende Satansaki. Der Zweifarbentamarin kommt im Freiland ausschließlich in der Gegend um Manaus im brasilianischen Regenwald vor, der Rothandtamarin nur in Franz. Guayana.

Altweltaffen-Haus (1997)2. Haus für Altweltaffen mit einer bemerkenswerten Sammlung an seltenen Meerkatzenarten: Diana-, Rotbauch-, Vollbart-, Sumpf- und Eulenkopfmeerkatzen. Nichtsdestoweniger wirkt dieses Haus, das als einziges im Zoo Mulhouse auch begangen werden kann, stark veraltet. Die Käfige gekachelt und - auch nach Zusammenlegung mehrerer Käfige - zu eng für die heutigen Ansprüche an die Gehegegestaltung. Im Haus sind außerdem auch einige Reptilien in diesem ansonsten von Vögeln und Säugetieren dominierten Zoo untergebracht: Tigerpythons (auch eine Albinoschlange!), Krokodilkaiman und Seychellen-Riesenschildkröte; außerdem noch ein Faultier in einer sehr beengten Ablage mit Vitrinencharakter.

Affen-Freinlage vor dem Umbau mit Pavianen im Laufrad (1997)3. Eines der Highlights im Zoo stellt die auf einer originellen, einem Schiffskörper nachempfunden, Freianlage lebende Gruppe der extrem seltenen Tonkean-Makaken dar.

4. Gibbons: in diversen, artgerecht ausgestalteten Anlagen sind 2 Arten in 4 Unterarten untergebracht (jeweils im intakten Familienverband): Kappengibbon, Weißwangenschopfgibbon (in der nördlichen und südlichen Unterart), Rotwangenschopfgibbon.

 

Kronensifaka (Zoo Paris, 1995)5. Den zoologischen Höhepunkt des Zoobesuchs bildet aus meiner Sicht das madegassische Lemurenhaus. Nicht weniger als 10 Arten sind hier versammelt. Neben auch aus anderen Zoos bekannten Arten wie dem Katta, dem Roten Vari oder dem Schwarzweißen Vari werden hier extrem selten gehaltene Arten gezeigt: Rotbauchmaki, Slaters Mohrenmaki, Westlicher Grauer Halbmaki, Kronenmaki, Mongozmaki, Alaotra- Halbmaki.

Und dann natürlich: der Kronensifaka! Allein wegen diesen Viechern lohnt sich der Besuch im Zoo Mulhouse. Wer noch nie gesehen hat, wie diese Tiere zweibeinig aufrecht (!) von Ast zu Ast hüpfen, der hat im Leben wirklich etwas versäumt. Ich hätte stundenlang zusehen können. Dabei hatte ich erst im Februar mit einem weiteren Lemur, dem Aye-Aye (Fingertier) im Frankfurter Grzimekhaus mein bis dato zoologisches Erlebnis der Sonderklasse. Aber die Sifakas toppen das noch einmal! Hinfahren und ansehen, kann ich da nur raten!

 

Fazit: Trotz einiger Mängel in der Anlagengestaltung ist der Zoo sehr reizvoll und ein Besuch unbedingt lohnenswert. Weiterer Vorteil: es gibt einen sehr informativen und schön aufgemachten Führer zu kaufen!

Internet: mir bekannt nur über www.ville-mulhouse.fr/zoo.htm, bringt aber nicht viel, es sei denn, man aktiviert über google die automatische Übersetzung ins Deutsche (Kostprobe: "Immer spektakulär die Mahlzeit der Tiere wird ein Zeitpunkt ungeduldig erwartet. Fehlen nicht unser zurückgeben: 10 Uhr 30: Meerkatzen, 11 Uhr: Otaries, " usw.. Ist doch klasse, oder?)

Nachtrag: Das Ganze auf Englisch für die nonfrankophone Gemeinde: http://www.ot.ville-mulhouse.fr/home_e.htm

 


© 2002 Text Hans-Jürgen Beck
Fotos:
Dirk Petzold - Zoodatenbank zoo-infos.de - zur  Zoo-AG Homepage logoeule