Zoo-AG

Anmerkungen

Die Zoo-AG Bielefeld unternahm 1998 eine Exkursion in die Zoos Zürich, Basel und Mulhouse. Leider kam es nie zu einem Exkursionsbericht. Im Frühjahr 2002 machte sich Hans-Jürgen Beck auf die gleiche Tour und schickte uns seine Exkursionsberichte, die sich fast völlig mit unseren Eindrücken decken und zudem viele aktuelle Angaben enthalten. Er hat uns freundlicherweise gestattet, die Berichte zu veröffentlichen, illustriert mit unseren eigenen Bildern.


Zoo (Zooh!) Zürich, 2.4.2002

Zoo Zürich neuer Eingang (2000)Ich kannte den Zoo Zürich nur von einem einmaligen Besuch 1975. Durch diverse Publikationen war ich sehr gespannt darauf, was sich in den letzten Jahren alles geändert hatte.

Bei wunderschönem Wetter ging die Zoo-Tour los. Allerdings war der Zoo erst nach etlichen Umwegen und einer Irrfahrt durch die Züricher Innenstadt zu finden. Eine bessere Beschilderung täte not.

Nach einem von Herzen kommenden "Gruezi!" der Kassiererin zahlte ich die 16 SFr Eintritt (hätte auch in Euro zum Tageskurs bezahlt werden können). Leider gab es keinen Führer zu kaufen, nur ein bunter Lageplan wurde der Eintrittskarte (kostenlos) beigegeben. Begründung: Es ändert sich im Zoo ständig etwas, auch im Tierbestand, daher würde "jeden Monat" ein neuer Führer herausgebracht werden, damit dieser immer auf dem Laufenden ist. Die besagten ständigen Änderungen traten dann im Verlaufe des Zoorundgangs auch deutlich zutage.

Nach dem Eingangsbereich eine für's Auge schön hergerichtete Flamingoanlage, in meinen Augen aber etwas zu klein. Der Weg führt dann schnurstracks zum Exotarium. Anders als das Exotarium im Zoo Frankfurt beherbergt Zürich auch Vögel und südamerikanische Säugetiere. Seit meinem Erstbesuch hat sich, soweit ich mich erinnern kann, immenses geändert und das durchweg zum Positiven. Eine kleine Freiflughalle für südamerikanische Vögel steht am Beginn. Ich fühlte mich augenblicklich in eine Tropenatmosphäre eingebettet. Im Erd- und im Obergeschoss außerdem noch schön gestaltete Volieren und Gehege für weitere, weitgehend südamerikanische Vogelarten und südamerikanische Säuger (Springtamarins, Goldgelbe Löwenäffchen mit Goldagutis, ein paar Faultiere und Margays = südamerikanische Kleinkatzen), ergänzt durch etliche Terrarien für Amphibien. Der Schwerpunkt Südamerika für den Züricher Zoo wird also bereits im Exotarium deutlich.

In einem abgetrennten Teil des Exotariums dann ein großzügiges Terrarium mit Echsen, u.a. auch Krokodile, Riesenschlangen und Warane. Von hier gehts ins Untergeschoss zu einem Aquarium mit wunderschönen Landschaftsaquarien. Eine großzügige, einer Polarlandschaft nachempfundenen Königspinguinanlage leitet zu den Innenstallungen für Capybaras, Flachlandtapire, Ameisenbären und Viscachas (deren Haltung im Zoo Zürich eine lange Tradition besitzt) über.

Das momentane Parkgelände, das in den nächsten 20 Jahre auf das Doppelte vergrößert werden soll, teilt sich hauptsächlich in die Parkteile Südamerika und Eurasien auf, ergänzt durch die Menschenaffenanlagen, das Kleinaffenhaus sowie einige wenige afrikanische Huftierarten.

ErweiterungsgeländeErgänzt werden sollen im Erweiterungsgelände zunächst bis Ende 2002 das Zoorama ("eine bunte Erlebniswelt, in der sich alles um das Tierreich dreht") und bis Juni 2003 das Masoala-Regenwaldhaus. Dafür wird bereits sehr viele Werbung betrieben. Überhaupt gefiel mir, wie der Zoo seine Planungen sehr offensiv auch nach außen angeht. Hier wird damit nicht hinterm Berg gehalten. Zum Masoala-Projekt gibt es zum Beispiel eine großformatige Farbbroschüre, in der nicht nur das Projekt selbst vorgestellt wird, sondern auch viele wichtige Informationen zu diesem Waldgebiet im Norden Madagaskars gegeben werden. Der Zoo Zürich bildet mit den Verantwortlichen vor Ort eine kooperative und unterstützende Partnerschaft mit sehr hohem Engagement. Überhaupt ist es dem Zoo sehr wichtig, nicht mehr nur als traditioneller zoologischer Garten angesehen zu werden, sondern als "Naturschutzzentrum". So engagiert er sich neben Masoala auch noch bei anderen Naturschutzprojekten weltweit. Im gesamtem Zoogelände ist dieser Anspruch mit zahlreichen Infotafeln, interaktiven Lehrtafeln, Lebensraumtafeln, sogenannten "Aha"-Tafeln, Lern- und Erlebnispfaden zu bestimmten Themen und Sinnespfaden transparent gemacht. Im Vergleich zu anderen Zoos, die meist nur mehr oder weniger informative Gehegeschilder anbieten, ragt er in dieser Hinsicht deutlich hervor. Allerdings erschien es mir manchmal auch etwas zuviel des Guten. Denn wer soll diese Informationsfülle aufnehmen und verarbeiten? Sicher nicht der Gelegenheitsbesucher, der mal eben in den Zoo zwecks eines "netten Nachmittags" vorbeischaut. Eher für Dauerbesucher und Zoofreaks wie mich. Und dies wurde auch durch so manche Äußerung eben jener "Gelegenheitsbesucher" deutlich. Beispiel vor dem wunderbaren Schneeleopardengehege: "Was ist denn da drin?" "Da hinten, ein Tiger!" "Nää, eine Katze." "Da steht doch was: ... ein Leopard!" "Ah, ein Leopard!" Und weiter ging's! Ernüchternd angesichts des Informationsaufwands, der auch vor diesem Gehege betrieben wurde. Aber eben auch typisch.

Für die Jahre bis 2020 sollen neben Zoorama und Masoalagroßzügige Afrikaanlagen in einem eigenen Erweiterungsgelände hinzukommen, das nochmals genauso groß wie das derzeitige Zooareal angelegt ist. Man darf gespannt sein!

Brillenbär-Anlage (1997)Das Exotarium stellt gewissermaßen den einen Schwerpunkt des Parkteils Südamerika dar. Den anderen Schwerpunkt setzt der "südamerikanische Bergnebelwald", eine riesige, strukturreiche und durch Wasserfälle gegliederte Freianlage für Brillenbären und Nasenbären. Hier kann man von verschiedenen Aussichtsplätzen aus auf Entdeckungsreise gehen auf der Suche nach "de Baare". Für mich das Highlight des Zoobesuchs! Weiter oben im Gelände werden unter dem Stichwort "Südamerikanisches Hochgebirge" alle vier "Lama"-Formen gehalten: Lama, Guanako, Vikunja, Alpaka.

Den eurasiatischen Parkteil betritt man im eurasiatischen Feuchtgebiet, einer gestalterisch ansprechenden Teichlandschaft mit brütenden Störchen, mit Kranichen, Reihern und diversen Entenarten. Gegenüber werden in einem Gemeinschaftsgehege Leierhirsch, Banteng, Hirschziegenantilope, Weißnackenkranich, Rostgans und Streifengans gehalten. Bei den asiatischen Elefanten fällt das sehr kleine Bullengehege eher negativ auf. Das Elefantenhaus ist aufgelockert mit etlichen Informationen zu den Dickhäutern und weist zwei großzügige Gehege für Prevost-Schönhörnchen einerseits und Kleinkantschil und asiatische Vögel andererseits auf. Insgesamt merkt man der Elefantenanlage aber an, dass sie allmählich in die Jahre kommt. Das Haus für asiatische Katzen wurde grundlegend umgestaltet und beherbergt mit je einem Paar asiatischer Löwen, Nebelparder und Manulkatzen nur noch drei Arten, diese allerdings in deutlich größeren Anlagen als früher. Die alte, winzige Eisbärenanlage neben dem Katzenhaus wurde zugeschüttet und als Picknickplatz hergerichtet.

Das neueste Prunkstück im eurasiatischen Teil ist die Himalaya-Anlage. Es beinhaltet vier wunderschöne, geräumige Freianlagen für sibirische Tiger, mongolische Wölfe, Schneeleoparden und Kleine Pandas. Die Besucher beobachten die Tiere teilweise in Grotten, in welche große Glasscheiben eingelassen sind und werden durch zahlreiche Infotafeln aufgeklärt. Ein mir leider nicht vergönnter Höhepunkt dürfte das Beobachten schwimmender Tiger unter Wasser sein.

Das alte Kleinaffenhaus wurde ebenfalls neu gestaltet. Gehege wurden zusammen gelegt und umgestaltet, der Besucherraum ebenfalls neu gestaltet. In großen, älteren Freianlagen tummeln sich Dscheladas und Kattas. Daneben werden noch Rote Varis, die stark vom Aussterben bedrohten Gelbbrustkapuziner, Weißkopfsakis und Schwarzgoldene Löwenäffchen gehalten.

  

Etwas veraltet wirken die Menschenaffenanlagen: die Innenkäfige zum Teil noch gekachelt (vor allem die für Schimpansen), die Außenanlagen nach heutigen Maßstäben viel zu klein. Aber im Zuge der weiteren Umgestaltung des Zoos soll auch hier viel passieren. Zum Beispiel bekommen die Flachland-Gorillas im zukünftign Parkteil Afrika ein neues, geräumiges Domizil mit einer riesigen Freianlage. Neben den erwähnten Arten werden noch Sumatra-Orang-Utans (eine der größten Orang-Gruppe in europäischen Zoos), Kappengibbons, Siamangs, Zwergseidenäffchen und Tupajas (Spitzhörnchen) gezeigt.

Spitzmaulnashorn (1997)Das Afrikahaus beherbergte früher drei Großtierarten: Flußpferd, Spitzmaul- und Breitmaulnashorn. Inzwischen werden nur noch die Spitzmäuler gezüchtet und in größeren Gehegen gehalten. Statt der Flußpferde werden ihre kleineren Verwandten, die westafrikanischen Zwergflußpferde gezeigt. Eine Besonderheit stellt der Schuhschnabel (der Abu Markub) dar. Aber wie in den wenigen anderen Zoos, in denen er gehalten wird (z.B. Zoo Frankfurt) züchtet er auch hier nicht.

Nach siebenstündigem Zoomarathon beendete ich zufrieden und glücklich den Tag und freute mich nach dem gelungenen Auftakt auf die weiteren Zoobesuche meiner Reise: Basel und Mulhouse.

Zoo Zürich im Internet: www.zoo.ch, www.masoala.ch


© 2002 Text Hans-Jürgen Beck
Fotos:
Dirk Petzold - Zoodatenbank zoo-infos.de - zur  Zoo-AG Homepage logoeule