Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Zoo Leipzig

10. März 2000

Auf dem Weg zur ZGAP-Jahrestagung im Zoo Dresden machten wir zwei Kurzbesuche in den Zoos von Halle und Leipzig. Da dies sehr kurzfristig organisiert war und zeitlich nicht genau festzulegen, verzichteten wir darauf, uns in den Zoos “anzumelden” - wir werden irgendwann einmal eine “richtige” Exkursion hierher machen, uns vorher ankündigen und dann um eine Führung bitten.

Kongresshalle

Der Zoo Leipzig wurde schon häufiger von Zoo-AG-Mitgliedern besucht, daher konzentrierten wir uns auf Neuigkeiten. Die hier gezeigten Fotos geben daher keinen Eindruck vom ganzen Zoo, sondern zeigen nur einige Details, die uns bemerkenswert erschienen.

Am Eingang strahlt die alte Kongreßhalle in äußerlicher neuer Pracht. Bleibt zu hoffen, daß sie bald auch wieder für den Zoo nutzbar ist und Tagungen oder auch das Zoo-Restaurant beherbergen kann. Wäre nötig!

Im Zoo Leipzig wimmelt es von alten bis sehr alten Gebäuden. Eine Fundgrube für alle an Zoo-Geschichte und Architektur Interessierten. Aber eine schwere Hypothek für den Zoo. Man bemüht sich redlich, aus den vorhandenen Gehegen das Beste zu machen, solange für Neubauten noch kein Geld vorhanden ist.

Raubtierhaus
Bärenburg
Begrenzung Bärenburg

Ein besonders “harter Brocken” sind die aus den 20er Jahren stammenden Bärenanlagen der “Bärenburg”, in Klinkersteinen gemauerte Präsentier-Teller für einst fünf Bärenarten. Auch wenn heute nur noch drei Arten gehalten werden, ist die Haltung und Präsentation von Bären in solch martialisch wirkenden Gehegen nicht mehr zeitgemäß.

Die Planung sieht vor, an der Außenseite der U-förmig gebauten Burg weiträumige Freigehege anzubauen, den Tieren aber die Wahl zwischen neuen und alten Gehegen zu lassen.

Eine Lösung, die Publikums- Bedürfnisse und Tierbelange, Denkmalschutz und Zoo-Geschichte vereinen könnte.

Eigentlich eine recht peinliche Geschichte ist die Menschenaffenhaltung in Leipzig. Nachdem die Tiere nach dem Krieg lange in Provisorien untergebracht waren, wurde erst in den 80er Jahren endlich ein Menschenaffenhaus fertig, das von der Tierhaltung schon damals völlig überholt war. Außen nur kleine Gitterkäfige, innen gekachelte Glas-Kuben. “Zum Glück” war das Haus bereits nach zehn Jahren marode, und noch mehr Glück:
Die Max-Planck-Gesellschaft suchte einen Standort für das neue MPI “Evolutionäre Anthropologie”. Nun wird mit Hochdruck ein neues Menschenaffenhaus mit großen Freianlagen und transparent überspannter Halle hochgezogen, dessen Baukörper bereits Formen annimmt.

MPI in Bau
Planung Menschenaffenhaus (courtesy MPI)

Was war sonst neu für uns? Tausend kleine Dinge, die zeigen, daß Leipzig seine “Nach-Wende-Lethargie” überwunden hat. Hier neue Landschaftsvolieren im Elefantenhaus, dort ein völlig neu gestaltetes Giraffenhaus mit Aussichtsturm; neue Nashorngehege, ein Abenteuerpfad, der auf den künftigen Dschungel im Menschenaffenhaus einstimmen soll, eine umgebaute Vogel-Freiflughalle, und vor allem die total renovierte Terrarienhalle, in der sich nun ein Stückchen Everglades mit Zypressen, und Barttillandsien um die Alligatoren ausbreitet.

Nachtrag: Im Mai 2000 wurde bekannt, daß der Zoo Leipzig mit einem 180-Mill.-DM-Budget völlig umgebaut und modernisiert werden soll. Toll! Nur, bitte: Macht nicht den Charakter des Zoos kaputt, wie in Hannover geschehen. Und vergreift Euch nicht an der historischen Architektur! Es wäre ein unwiederbringlicher Verlust für den Zoo und die Zoowelt, der damit ein Stück erlebbarer Geschichte verloren ginge!

© 2000 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 4.6.2000 - zur Zoo-AG Homepage logoeule