Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursions-Bericht

Zoo Merveilleux, Bettembourg, Luxemburg
11. März 2005

Auf der Fahrt nach Trier zur Jahreshauptversammlung 2005 der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), in der sich einige Zoo-AG Mitglieder aktiv engagieren, besuchten wir am drei Tierparks: Klotten-Cochem, Daun und Trier. Am Sonntag besuchen wir dann vor der Rückfahrt den Zoo Merveilleux in Bettembourg, Luxemburg.

Am Sonntag, den 11. April 2005 besuchten wir den Park Merveilleux in Bettembourg / Luxemburg , der die Teilnehmer der ZGAP-Tagung eingeladen hatte. Dieser Besuch war schon deshalb eine Besonderheit, weil der Zoo zuvor noch von keinem der Zoo-AG-Mitglieder besucht wurde!
Das Konzept des Parks ist unkonventionell: Er betrachtet sich weniger als Zoo denn als Behindertenwerkstatt mit Tierhaltung und Märchenwald. Tatsächlich arbeiten neben sechs Zootierpflegern zahlreiche geistig Behinderte in allen Bereichen des Parks, ohne dass die Tierhaltung dadurch leiden würde. Neben der Tierhaltung stellen die Darstellung verschiedener Märchen sowie einige Attraktionen für Kinder (Spielplätze, Autoscooter, Mini-Eisenbahn u. a.) die Standbeine des Parks dar. 1999 wurde der zuvor heruntergekommene Park in das neue Konzept überführt, und seither hat sich einiges getan! Mit Hilfe von Zuschüssen der EU konnte der Park in den ersten Jahren seit 1999 fast komplett erneuert und um attraktive Gebäude ergänzt werden, heute muss er ohne Zuschüsse auskommen.

Eingang

Etwa 140.000 Besucher pro Jahr sind bei 300.000 Einwohnern in ganz Luxemburg, der Nähe des Zoo Amnéville in Frankreich (etwa 20 km entfernt) sowie der Tatsache, dass der Park im Winter geschlossen ist, beachtlich.
Zum Rundgang: Das 25 ha große Gelände liegt großteils im Wald, davon sind etwa 16 ha erschlossen. Hinter dem Eingang erreicht man recht bald den zentralen Bereich des Parks, bestehend aus Restaurant und Tropenhäusern. Unsere Führung führte jedoch zunächst in den Seminarraum, wo wir einen Diavortrag über Entwicklung und Konzept des Parks erhielten.

Märchenhaus

Auf dem Rundgang kamen wir zunächst an den Gehegen für Tiroler Steinschafe und Poitouesel vorbei, später an schön gestalteten Anlagen für „exotischere Haustiere“ wie Ziegen und Guanakos. Bemerkenswert ist hierbei die Eigenleistung der Angestellten beim Bau der Gehege. Dingos, Nandus, Maras, Wasserschweine, Damwild, Muntjaks u. a. leben in großen Gehegen im Wald. Hier findet sich auch ein neuer großer Waldspielplatz. Interessant ist die (offenbar problemlose) Vergesellschaftung von Waschbär und Stinktier in einem überdachten Gehege.
Die Attraktion des Parks ist sicherlich das Amazonas-Tropenhaus. Durch die recht verwinkelte Bauweise und Wegeführung erscheint es viel größer als es eigentlich ist. Man betritt das Haus durch eine kleine Arthropodenabteilung. In der Halle beherbergen große zentrale Becken größere Fische wie Pacus und Piranhas sowie Beulenkrokodile. Ein Treppenabgang zwischen den Becken führt zu großen Sichtscheiben, an denen man beispielsweise die Krokodile in Augenhöhe beobachten kann.

Streichelzoo
WaschbärgehegeTropenhaus

Um diese zentralen Becken gruppieren sich einige thematische Aquarien (z. B. Salmler, Rochen) und Gehege (Grüner Leguan, Waldschildkröte, Totenkopf- & Weißbüscheläffchen u. v. a). Zudem fliegen einige Vögel frei, darunter sogar Soccorotauben! Der einzige Störfaktor sind die häufig unkaschierten Betoneinfassungen bei den Aquarien. Diese könnten sicherlich mit recht wenig Aufwand etwas natürlicher gestaltet werden. Etwas verwunderlich ist auch das plötzliche Auftauchen von Humboldtpinguinen, die man durch große Sichtscheiben vom Amazonashaus aus über und unter Wasser beobachten kann. Auch wenn es sich um Südamerikaner handelt erwartet man in (bzw. an) einem Amazonashaus sicherlich keine Pinguine. Wie uns auf dem Rundgang berichtet wurde, bereitete es dem Park übrigens einige Probleme, die Tiere im Rahmen des EEP zu erhalten. Offenbar musste man sich zunächst an den Gedanken „EEP in Behindertenwerkstatt“ gewöhnen. Trotz des Betons und der Pinguin-Überraschung kann das Fazit zum Tropenhaus nur sehr positiv ausfallen!
Im Anschluss an das Tropenhaus betritt man die kleinere Savannenhalle. Hier leben Erdmännchen, Klippschliefer und einige frei fliegende Vögel unter verglasten Kuppeldächern, die auch den Erdmännchen den Stress des Im-Haus-Seins nehmen dürften. Große leere Wände auf der Besucherseite bieten sich hier für Informationstafeln an.
Wieder im vorderen Parkteil endet der Rundgang an einigen Volieren und Gehegen für einige recht interessante Arten wie beispielsweise Baumstachler, Schopfkarakara, Hutia und Kanincheneule. Schabrakenschakale bewohnen ein nagelneues Gehege im Wald, Rötelpelikane leben zusammen mit Kronenkranichen in einem weiteren großen Gehege. Eine weitere Volierenreihe ist u. a. mit verschiedenen Papageien, Hammerkopf und Braunen Makis besetzt. Letztere werden 2006 in ein neues Madagaskar-Haus umziehen. Der Besucher wird von einer Kanzel aus in das Gewächshaus sehen, in dem neben den Lemuren (am Amazonashaus leben bereits Mohrenmakis, auch Kattas soll es schon geben, wir haben sie jedoch nicht gesehen) auch einige Vögel (u. a. Madagaskarenten) leben sollen. 

Erdmännchen
Im Tropenhaus
Im Tropenhaus
Beulenkrokodile
Im Tropenhaus
PapageienvolierenIm Tropenhaus

Fazit: Obwohl wir den Park aus der „Prä-Umbauzeit“ nicht kennen, können wir mit Sicherheit feststellen, dass sich hier sehr viel getan hat. Veraltete Gehege sind nicht zu finden, die neuen Anlagen sind durchweg sehr gut eingerichtet, die Präsentation der Tiere findet auf modernem Niveau statt. Und nicht zuletzt die große Bereitschaft, sich in Artenschutzprogrammen und -vereinigungen zu engagieren (er wurde kürzlich Mitglied der ZGAP, wird sich an erschiedenen Programmen für bedrohte Arten beteiligen und hat die Mitgliedschaft in der Stiftung Artenschutz angekündigt), lässt den Park Merveilleux in einem äußerst positiven Licht erscheinen.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft!
 

Website des Zoos

Erstellt am 14. 5. 2005

Schakalgehege
Madagaskarhaus in Bau

Anmerkung: Die Darstellungen und Meinungen im Bericht auf dieser Seite geben nicht zwingend die aller Zoo-AG-Mitglieder wieder.


© 2005 Text+ Fotos: Marco Smeets, zusätzliche Fotos: Dirk Petzold - zur  Zoo-AG Homepage logoeule